Landsmannschaft der Banater Schwaben HOG Orzydorf
Landsmannschaft der Banater Schwaben HOG Orzydorf

Geschichte

Unsere Heimatgemeinde Orzydorf erhielt ihren Namen nach Ladislaus Baron Orczy (1750–1807), welcher bei der Ansiedlung des Ortes gerade Präsident der Temescher Kameraladministration war.

Bis zum l. Weltkrieg behielt unsere Gemeinde den Namen Orczydorf (Orzidorf, Orzydorf) bzw. in ungarischer Sprache Orczyfalva. Nach der Übernahme durch die Rumänen wurde es in “Cocota” umbenannt (nach der mittelalterlichen Siedlung “Kokoth” oder “Kokoda”), 1922–1926: “Ortidorf”. Seit 1926: “Ortisoara”. Wir werden im Weiteren die neuere Bezeichnung Orzydorf verwenden.

Die Planung des neuen Dorfes, welches in den Sitzungsprotokollen der Temescher Kameraladministration noch “Neu Monostur”, “Deutsch Monostur” oder einfach “Bei der Kambiatur” genannt wird, wurde im Sommer des Jahres 1784 begonnen. Als Gründungsjahr kann man allerdings das Jahr 1785 nennen, da erst dann der Großteil der Häuser bezugsfertig war und die zu dem neuen Dorf gehörigen Felder ausgemessen wurden. Das neue Dorf entstand unmittelbar neben der auf halbem Wege zwischen Temeswar und Arad bestehenden Poststation, auf der auch Pferde gewechselt wurden (= Kambiatur) (erstmals auf der Mercy-Karte 1723 eingezeichnet).

Insgesamt wurden 200 Familien angesiedelt und mit 100 ganzen und l00 halben Sessionen dotiert. Orzydorf ist eine kamerale Ansiedlung.

Rund ein Drittel der Orzydorfer Ansiedler kam aus Lothringen, etwa ein Viertel aus dem Banat, der Rest verteilt sich auf das Saarland (6 %), Rheinland-Pfalz und Württemberg (je 5 %) sowie Elsass, Bayern und Ungarn (je 3%).

Aus der Ansiedlungszeit sind uns einige interessante Dokumente erhalten:

- Zwei Pässe datiert vom 23. bzw. 24. August 1784 und ausgestellt für Johannes Schäuble aus Wurmlingen (OA. Rottenburg/Neckar, Württ.) samt Frau und 9 Kindern sowie für seine zwei ältesten Töchter, welche sich erst einen Tag später entschlossen haben, mit ihrem Vater nach Ungarn auszuwandern.

- Etliche Auswandererbriefe, das sind Briefe von Kolonisten an ihre Verwandten in Lothringen, ebenfalls aus dem Jahre 1784.

- Umfangreiche Unterlagen eines Prozesses, den die neu angesiedelten Bewohner von Orzydorf gegen den für sie zuständigen Monosturer Rentmeister wegen nicht ordnungsgemäß verabreichter Geld- und Naturalverpflegung sowie schlechter Behandlung führten. Das Verfahren dauerte mehr als ein Jahr und endete im Sommer 1786 mit der Verurteilung der Unruhestifter zu Arrest und Arbeit in Eisen und späterer Absiedlung.

Orzydorf war von Anfang an selbständige Pfarrei. Der erste Pfarrer trat noch im Ansiedlungsjahr seinen Dienst an. Die Gottesdienste wurden anfangs im Schulhaus abgehalten. Erst im Jahre l809 erhielt unser Dorf auch ein Gotteshaus (Architekt Anton Schmidt). Schutzpatron ist der Hl. Hubertus (3. November).

Filialen der Pfarrei Orzydorf waren Kalatscha, Monostur und Setschan.

Der Friedhof besteht bereits seit der Ansiedlung und ist etwa 4 Joch groß. Die im Jahre 1857 erbaute Friedhofskapelle zu Ehren des Hl. Kreuzes ist heute nur noch eine Ruine.

Das bekannteste Grab unseres Friedhofs ist jenes des Ansiedlers Fidel Teufel, welcher – wie uns das schlichte Sandsteinkreuz erzählt – aus Schwalldorf bei Rottenburg am Neckar gebürtig war und 1827 hier im Alter von 60 Jahren begraben wurde.

Das Schulhaus wurde 1785 errichtet. Die Orzydorfer Volksschule war von Anfang an konfessionell, der Ortspfarrer war “Lokaldirektor”, der Dechant “Schuldirektor”. 1942–1945 war unsere Volksschule der Volksgruppenführung unterstellt. 1945–1948 wurde sie wieder konfessionell geführt, allerdings nicht vom Staat anerkannt. Ab der Verstaatlichung im Jahre 1948 wurde sie als eine Sektion mit deutscher Unterrichtssprache betrieben. Es gab einen ersten (l.–4. Klasse) und einen zweiten Zyklus (5.–8. Klasse). Wegen Schülermangels wurde der zweite Zyklus 1958–1962 sowie ab 1977 aufgelassen.

Seit 1938 gibt es in Orzydorf auch eine Sektion mit rumänischer Unterrichtssprache, seit 1968 ist der Leiter der deutschen Sektion dem rumänischen Direktor unterstellt. In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg bestand in unserer Gemeinde bis etwa Anfang der 1950er Jahre auch eine Sektion mit ungarischer Unterrichtssprache.

In den 1950er Jahren wurde in Orzydorf eine Landwirtschaftsschule (Lyzeum) eingerichtet (im Volksmund “Traktoristenschule” genannt), welche demnächst ihre Pforten schließen wird.

Bereits im Jahre 1912 ließ die Gemeinde einen Kindergarten errichten und übergab dessen Leitung den Notre-Dame-Schulschwestern. Nach dem 2. Weltkrieg gab es zwei Kindergärten, einen von der Kollektiv- und einen von der Staatswirtschaft.

Orzydorf war in der Zeit von 1785 bis 1836 kameralischer Besitz, musste also der Kammer fronen und dienen (Zehent und Robot). Im Jahre 1836 erwarb Baron Georg Simon Sina von Hodos und Kizdia die Herrschaft Orzydorf. Unser Dorf bestand damals aus 248 Haushaltungen.

Während der Revolution 1848–1849 fanden in und um Orzydorf keine Kämpfe statt, doch wurden die Bewohner besonders bei der Belagerung von Temeswar zu Vorspannleistungen und anderen Arbeiten herangezogen. Am Freiheitskriege haben einige Orzydorfer als Honvéds teilgenommen. Die Befreiung von den grundherrschaftlichen Lasten wurden auch bei uns mit großer Begeisterung aufgenommen.

Die Schwabenpetitionen sind von keinem Vertreter aus Orzydorf unterschrieben. Allerdings haben der damalige Richter und zwei Geschworene mit Vertretern aus 26 anderen Gemeinden des Banats die “Vollmacht für Pfarrer Joseph von Novak” unterfertigt, welcher ihre Bitten beim Kaiserhof vortragen sollte.

1869/1870 wurde die Bahnverbindung zwischen Temeswar und Arad hergestellt, der Personenverkehr konnte im April 1871 aufgenommen werden.

Als Kaiser Franz Josef I. 1852 das Banat bereiste, kam er auf der Fahrt von Temeswar nach Arad auch durch Orzydorf, wo die Pferde gewechselt wurden. Der damalige Dorfrichter Johann Klemann spannte prächtige Pferde ein und führte seine Majestät nach Arad. 1873 bewältigte der Kaiser dieselbe Strecke schon mit der Eisenbahn.Der Zug hielt unter anderem auch im festlich geschmückten Orzydorf, wo Pfarrer Nátl eine begeisterte Ansprache hielt. Das Jahr 1863 war auch für die Orzydorfer Bevölkerung ein Notjahr. Von Februar bis in den Herbst hinein herrschte extreme Dürre, auf 85 % der Ackerfläche konnte nichts geerntet werden. Der erste, der den Notleidenden zu Hilfe kam, war Baron Simon Sina, welcher sechs Monate hindurch 50 Bedürftige mit Fleisch, Brot und Salz versorgen ließ.

Die Auswanderung in die Vereinigten Staaten von Amerika begann in Orzydorf etwa 1904. Damals verließ die erste Gruppe von Auswanderern unser Dorf. Der Brief des Orzydorfers Josef Lach, geschrieben 1903 in Winnipeg / Kanada zeigt allerdings, dass einzelne Personen auch schon etwas früher die große Reise gewagt haben. Insgesamt dürften etwa 500 Orzydorfer nach Amerika ausgewandert sein.

In Orzydorf erhielt die Gemeindeverwaltung in der Nacht zum 26. Juli 1914 den Mobilisierungsbefehl. Die aufgerufenen Jahrgänge rückten anfangs an die Serbienfront ein, später kämpften die meisten an der Italien- und Russlandfront. Ab dem Winter 1914/15 ersetzten kriegsgefangene Russen die fehlenden Arbeitskräfte.

Im 1. Weltkrieg sind 75 Orzydorfer gefallen. Das Kriegerdenkmal wurde 1927 durch Bischof Augustin Pacha eingeweiht.

Unsere Heimatgemeinde war vom 1. Weltkrieg nicht unmittelbar betroffen. 1918 zogen eine Woche lang deutsche Truppen durch Orzydorf, im November waren Einheiten der deutschen Balkan-Armee einquartiert. Da es in manchen Ortschaften zu Raub, Plünderungen ja sogar Mordtaten kam, bildete sich in Orzydorf eine Bürgerwache, die allabendlich Posten aufstellte. Im November 1918 wurde in unserer Gemeinde ein deutsch-schwäbischer Volksrat gewählt. Am 19. November zog eine serbische Besatzungstruppe in Orzydorf ein und blieb bis Juli 1919. Im Dezember 1918 war auch eine französische Besatzungstruppe hier einquartiert.

Im Oktober 1919 wurde das ungarische Geld abgestempelt und im September 1920 in Lei umgetauscht.

Im Jahre 1921 wurde vom rumänischen Staat eine Agrarreform angeordnet. Da es auf Orzydorfer Hotter keine Großgrundbesitzer gab, betraf dieses Gesetz hier niemand. Wohl aber verloren Orzydorfer Grundbesitzer ziemlich viel Feld in den angrenzenden Gemarkungen. Den Orzydorfer Anspruchsberechtigten wurden vom Feger'schen Gutsbesitz in der Schadaner (rum. Jadani) Gemarkung insgesamt rund 330 Joch zugeteilt. Auf Orzydorfer Gemarkung wurden 9 Joch Urbarialfeld enteignet, auf denen 45 Familien, meist Ortsbewohnern, Hausplätze zugewiesen wurden. Es entstand ein neuer Ortsteil, das sogenannte “Klusch”.

Im September 1935 fand in Orzydorf zugleich mit einem Erntedankfest die 150-Jahrfeier der Ansiedlung unserer Gemeinde statt. Aus Anlass dieses Jubiläums ist auch eine 220 Seiten umfassende Ortsmonographie erschienen.

Am 13.Juli 1943 ging vom Orzydorfer Bahnhof ein Transport ab, in welchem sich etwa 110 Männer aus unserem Dorf im Alter zwischen 20 und 35 Jahren befanden.

Orzydorfer Kriegsopfer 1939-1945: insgesamt 82, davon 26 Männer bei der rumänischen Armee. 53 bei der deutschen Wehrmacht (vorwiegend Waffen-SS) gefallen oder vermisst, 1 Mann 1944 bei Luftangriff in Temeswar ums Leben gekommen, 2 Heimkehrer 1947 an der Grenze bei Altbeba erschossen.

Am 15. Januar 1945 wurden alle Orzydorfer Männer im Alter von 17 bis 45 und Frauen von 18 bis 30 Jahren durch Rumänen aus den Nachbargemeinden und durch russisches Militär für den Transport zur Zwangsarbeit zusammengetrieben. Man hielt sich jedoch nicht so genau an das vorgeschriebene Alter, auch zahlreiche weit jüngere oder ältere Personen wurden bedenkenlos mitgenommen. Es durfte nur das allernötigste an Lebensmitteln und Kleidern eingepackt werden. Nach Angaben eines zuverlässigen Zeitzeugen wurden damals aus Orzydorf 361 Männer und Frauen ausgehoben und verschleppt. Davon sind bei der Zwangsarbeit, auf dem Transport und an den Folgen daheim etwa 70 Personen gestorben. Im Jahre 1945 wurde die Enteignung der Deutschen auch in Orzydorf durchgeführt. Ihre Felder und Häuser samt Inventar gingen ohne Entschädigung in den Besitz des Staates über. Plünderungen waren damals an der Tagesordnung. Da die Orzydorfer in der ganzen Umgebung in fremden Gemarkungen Feld besaßen, erschienen der Reihe nach die Bewohner aus allen umliegenden Gemeinden und führten Wagen und Wirtschaftsgeräte, Pferde und Kühe weg. Das den Deutschen enteignete Feld wurde an verschiedene “Berechtigte” verteilt. Am Ostersonntag 1945 erschienen die ersten “Kolonisten”. Anfangs waren es Flüchtlinge aus Bessarabien, dann strömten scharenweise Rumänen aus allen Landesteilen herbei, dazu kamen noch die gewesenen Knechte, die sich hier niederlassen wollten.

Im Jahre 1948 wurden die Industrie-, Handels- und Gewerbeunternehmen “nationalisiert”. Auch hier gab es keine Entschädigung.

Im selben Jahr kam auch die Schulreform, wodurch alle Schulen in die Hände des Staates übergingen, Klosterschulen und sonstige konfessionelle Schulen löste man ganz auf. Sämtliche Lehrkräfte wurden “umgeschult”.

1950 wurde in Orzydorf die Kollektivwirtschaft gegründet.

Im Sommer des Jahres 1958 wurden den Deutschen die enteigneten Häuser wieder zurückgegeben, in den schönsten Gebäuden hatten sich allerdings Staats- und Kollektivwirtschaften, Genossenschaften und Gemeindeverwaltung niedergelassen.

Im Jahre 1792 wurden in unserem Dorf 976 Einwohner gezählt, 1848 waren es bereits 2063! Der Höchststand war 1896 mit 3003 Bewohnern zu verzeichnen. Durch Amerika-Auswanderung, Ein- bzw. Zweikindersystem und Kriegsereignisse sank die Zahl der Einwohner wieder auf 2070 Personen im Jahre 1919 und 1996 Einwohner im Jahre 1943. Durch den Zuzug von Rumänen stieg die Bevölkerungszahl nach dem 2. Weltkrieg wieder an, allerdings ist eine Veränderung der Zusammensetzung nach Nationalitäten zu beobachten. Im Jahre 1880 hatten die Deutschen in Orzydorf noch einen Anteil von 97%, heute liegt ihr Anteil bei schätzungsweise 1%, denn es gibt in unserem Dorf bereits weniger als 30 Deutsche!

Im Jahre 1785 zählte Orzydorf 204 Häuser, im Jahre 1859 waren es bereits 450. Heute sind es schätzungsweise 650 Häuser.

Die Gemarkungsgröße hat sich bis Ende des 2. Weltkriegs nur unwesentlich verändert: im Jahre 1785 wurde das neue Dorf mit 6660 Kat. Joch dotiert, 1910 weist die Statistik den Orzydorfer Hotter mit 6556 Joch aus. Dazu kamen allerdings schon damals 1872 Joch die in fremden Gemarkungen bewirtschaftet wurden.

Nach Angaben aus den 1930er Jahren haben die Orzydorfer seit der Ansiedlung ihre Wirtschaftsfläche nahezu verdreifacht und bewirtschafteten etwa 15.000 Joch. Orzydorfer Bauern hatten in den Gemarkungen von elf (!) Gemeinden der Umgebung Feld gepachtet oder gekauft.

Unser Dorf weist keine besonders nennenswerten Bauwerke oder Denkmäler auf. Kirche, Gemeindehaus und Schule sehen ähnlich aus wie überall im Banat, ebenso die Wegkreuze und Heiligenstatuen.

Ein Wahrzeichen der neuen Zeit ist ein weithin sichtbarer, um 1970 beim Bahnhof erbauter Getreidesilo.

In Orzydorf wird eine südwestrheinfränkische Mundart gesprochen; daneben gibt es – besonders im Wortbestand – manche österreichisch-bayrische Einflüsse, die aber das vorherrschende Pfälzisch nicht wesentlich beeinflussen konnten.

Bis zum 2. Weltkrieg war Orzydorf eine Bauerngemeinde, deren Einwohner fast alle in der Landwirtschaft tätig waren. Die Orzydorfer Bauern waren allem Neuen sehr aufgeschlossen, sowohl was Mechanisierung als auch verbesserte Wirtschaftsmethoden anbelangt. Im Jahre 1870 kam die erste Göpel-Dreschmaschine ins Dorf. In den 1870er Jahren ging man allmählich zur verbesserten Dreifelderwirtschaft über (Zwischenfrucht z. B. Leguminosen statt Schwarzbrache), die ersten Mehrscharpflüge wurden eingeführt. Es folgte die erste Dampfdreschmaschine im Jahre 1889 und der erste Getreidemähbinder etwa 1895. In jenen Jahren wurde die Handsaat von der Drillsaat abgelöst. Der durch die Mechanisierung verursachte Verlust an Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft sowie Kinderreichtum führten um 1900 zur ersten Auswanderungswelle nach Amerika. Aber nicht nur die Mechanisierung, sondern auch bessere Getreidesorten, neue Kulturen und leistungsfähigere Tierrassen fanden Ende des 19. Jahrhunderts Eingang in Orzydorf. Die Erträge aus der Landwirtschaft stiegen, es machte sich ein gewisser Wohlstand bemerkbar. Damals begannen die Orzydorfer, in den umliegenden nichtdeutschen Dörfern um einen verhältnismäßig billigen Preis viel Feld aufzukaufen oder zu pachten.

In den 1920er Jahren wurden in Orzydorf schon die ersten Traktoren und auch etliche Autos angeschafft.

In der Zwischenkriegszeit gab es in Orzydorf einen Dampfpflug, welcher der “Dampfpfluggesellschaft” gehörte. Die Ackerfläche der 63 Mitglieder machte rund 2.400 Joch aus.

Unsere wichtigste Anbaufrucht war der Winterweizen (“die Frucht”). Weizen war bis zum 2. Weltkrieg das wichtigste Zahlungsmittel und die Grundlage der Geldeinkünfte. Weiterhin wurden noch angebaut: Mais (“Kukuruz”) als Grundlage für die Schweinemast, in geringem Ausmaß auch Sommergerste, Hafer und etwas Roggen, desweiteren Rotklee und Luzerne, Futterrüben sowie kleine Flächen mit Hanf und Tabak.

Orzydorf war eine Hochburg des Linsenanbaus, ihre Kultur wurde in den 1880er Jahren in unserem Dorf eingeführt. Die trockenen, schlechten Fluren unserer Gemarkung eigneten sich besonders für diese Leguminose, die stets die wertvollste Vorfrucht für den Weizen war. Besonders in der Zwischenkriegszeit verdankten die Orzydorfer dem Linsenanbau hohe Einnahmen und eine wirtschaftliche Blütezeit.

Pferde und Rinder waren die wichtigsten Haustiere, allerdings bildete die Schweinemast in der Zwischenkriegszeit den einkommensstärksten Teil der Viehhaltung. Pferde, Kühe, früher auch die Schweine, wurden im Sommer auf die “Hutweide” getrieben. Es gab auch eine einfache, extensive Schafhaltung.

Die “Hutweide”, ein Gemeinschaftsbesitz, wurde durch die “Hutweidegesellschaft” (“Kompossessorat”) verwaltet.

Bis zum Ende des 2. Weltkriegs bestanden in Orzydorf eine Milchgenossenschaft und einige private Milchsammelstellen. Die Milchprodukte wurden von den “Fratschlerinnen” in der Stadt verkauft.

Schon bald nach der Ansiedlung unseres Dorfes entstand auch eine Weingartenflur, doch wurde Wein nur für den eigenen Gebrauch produziert. Obstbäume standen zumeist in den Weingärten, vereinzelt auch in Hausgärten.

In Orzydorf waren stets alle notwendigen Handwerker zu finden vom Bäcker, Barbier und Drechsler bis zum Zimmermann und Zuckerbäcker. Des weiteren gab es etliche Gemischtwarenhändler und 1943 noch fünf Wirtshäuser.

Mühlen waren in jedem Dorf unentbehrliche Einrichtungen. In Orzydorf bestanden im 19. Jahrhundert vier Getreidemühlen und eine Ölmühle, nach 1900 gab es nur mehr eine Rossmühle, dafür aber zwei Dampfmühlen.

Im Jahre 1911 wurde von der sog. Ortmann-Mühle aus durch das “Orzydorf-Vingaer Elektrizitätswerk” in unserem Dorf das elektrische Licht eingeführt. In der Zwischenkriegszeit unternahmen fortschrittliche Landwirte auch den Versuch, eine Dreschmaschine mit Strom zu betreiben.

Nennenswert ist eine Strohhülsenfabrik, die etwa ab 1900 bis nach dem I. Weltkrieg bestand. Dort wurden aus Roggenstroh Hülsen zum Verpacken von Bierflaschen erzeugt. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum 1. Weltkrieg existierte beim Monosturer Tal ein Ziegelofen.

Für Geldgeschäfte standen den Orzydorfern in der Zeit von 1886 bis 1944 mehrere Banken zur Verfügung, von denen sich zwei Institute am längsten halten konnten, nämlich die “Kreditgenossenschaft der Orzydorfer Gemeinde mbH” bzw. “Orzydorfer Kreditbank A.G.” (1886–1941) und die “Erste Orzidorfer Sparkassa A.G.” (1899–1941).

Unsere Heimatgemeinde Orzydorf erhielt ihren Namen nach Ladislaus Baron Orczy (1750–1807), welcher bei der Ansiedlung des Ortes gerade Präsident der Temescher Kameraladministration war.

Bis zum l. Weltkrieg behielt unsere Gemeinde den Namen Orczydorf (Orzidorf, Orzydorf) bzw. in ungarischer Sprache Orczyfalva. Nach der Übernahme durch die Rumänen wurde es in “Cocota” umbenannt (nach der mittelalterlichen Siedlung “Kokoth” oder “Kokoda”), 1922–1926: “Ortidorf”. Seit 1926: “Ortisoara”. Wir werden im weiteren die neuere Bezeichnung Orzydorf verwenden.

Die Planung des neuen Dorfes, welches in den Sitzungsprotokollen der Temescher Kameraladministration noch “Neu Monostur”, “Deutsch Monostur” oder einfach “Bei der Kambiatur” genannt wird, wurde im Sommer des Jahres 1784 begonnen. Als Gründungsjahr kann man allerdings das Jahr 1785 nennen, da erst dann der Großteil der Häuser bezugsfertig war und die zu dem neuen Dorf gehörigen Felder ausgemessen wurden. Das neue Dorf entstand unmittelbar neben der auf halbem Wege zwischen Temeswar und Arad bestehenden Poststation, auf der auch Pferde gewechselt wurden (= Kambiatur) (erstmals auf der Mercy-Karte 1723 eingezeichnet).

Insgesamt wurden 200 Familien angesiedelt und mit 100 ganzen und l00 halben Sessionen dotiert. Orzydorf ist eine kamerale Ansiedlung.

Rund ein Drittel der Orzydorfer Ansiedler kam aus Lothringen, etwa ein Viertel aus dem Banat, der Rest verteilt sich auf das Saarland (6 %), Rheinland-Pfalz und Württemberg (je 5 %) sowie Elsass, Bayern und Ungarn (je 3%).

Aus der Ansiedlungszeit sind uns einige interessante Dokumente erhalten:

- Zwei Pässe datiert vom 23. bzw. 24. August 1784 und ausgestellt für Johannes Schäuble aus Wurmlingen (OA. Rottenburg/Neckar, Württ.) samt Frau und 9 Kindern sowie für seine zwei ältesten Töchter, welche sich erst einen Tag später entschlossen haben, mit ihrem Vater nach Ungarn auszuwandern.

- Etliche Auswandererbriefe, das sind Briefe von Kolonisten an ihre Verwandten in Lothringen, ebenfalls aus dem Jahre 1784.

- Umfangreiche Unterlagen eines Prozesses, den die neu angesiedelten Bewohner von Orzydorf gegen den für sie zuständigen Monosturer Rentmeister wegen nicht ordnungsgemäß verabreichter Geld- und Naturalverpflegung sowie schlechter Behandlung führten. Das Verfahren dauerte mehr als ein Jahr und endete im Sommer 1786 mit der Verurteilung der Unruhestifter zu Arrest und Arbeit in Eisen und späterer Absiedlung.

Orzydorf war von Anfang an selbständige Pfarre. Der erste Pfarrer trat noch im Ansiedlungsjahr seinen Dienst an. Die Gottesdienste wurden anfangs im Schulhaus abgehalten. Erst im Jahre l809 erhielt unser Dorf auch ein Gotteshaus (Architekt Anton Schmidt). Schutzpatron ist der Hl. Hubertus (3. November).

Filialen der Pfarre Orzydorf: waren Kalatscha, Monostur und Setschan.

Der Friedhof besteht bereits seit der Ansiedlung und ist etwa 4 Joch groß. Die im Jahre 1857 erbaute Friedhofskapelle zu Ehren des Hl. Kreuzes ist heute nur mehr eine Ruine.

Das bekannteste Grab unseres Friedhofs ist jenes des Ansiedlers Fidel Teufel, welcher – wie uns das schlichte Sandsteinkreuz erzählt – aus Schwalldorf bei Rottenburg am Neckar gebürtig war und 1827 hier im Alter von 60 Jahren begraben wurde.

Das Schulhaus wurde 1785 errichtet. Die Orzydorfer Volksschule war von Anfang an konfessionell, der Ortspfarrer war “Lokaldirektor”, der Dechant “Schuldirektor”. 1942–1945 war unsere Volksschule der Volksgruppenführung unterstellt. 1945–1948 wurde sie wieder konfessionell geführt, allerdings nicht vom Staat anerkannt. Ab der Verstaatlichung im Jahre 1948 wurde sie als eine Sektion mit deutscher Unterrichtssprache betrieben. Es gab einen ersten (l.–4. Klasse) und einen zweiten Zyklus (5.–8. Klasse). Wegen Schülermangels wurde der zweite Zyklus 1958–1962 sowie ab 1977 aufgelassen.

Seit 1938 gibt es in Orzydorf auch eine Sektion mit rumänischer Unterrichtssprache, seit 1968 ist der Leiter der deutschen Sektion dem rumänischen Direktor unterstellt. In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg bestand in unserer Gemeinde bis etwa Anfang der 1950er Jahre auch eine Sektion mit ungarischer Unterrichtssprache.

In den 1950er Jahren wurde in Orzydorf eine Landwirtschaftsschule (Lyzeum) eingerichtet (im Volksmund “Traktoristenschule” genannt), welche demnächst ihre Pforten schließen wird.

Bereits im Jahre 1912 ließ die Gemeinde einen Kindergarten errichten und übergab dessen Leitung den Notre-Dame-Schulschwestern. Nach dem 2. Weltkrieg gab es zwei Kindergärten, einen von der Kollektiv- und einen von der Staatswirtschaft.

Orzydorf war in der Zeit von 1785 bis 1836 kameralischer Besitz, musste also der Kammer fronen und dienen (Zehent und Robot). Im Jahre 1836 erwarb Baron Georg Simon Sina von Hodos und Kizdia die Herrschaft Orzydorf. Unser Dorf bestand damals aus 248 Haushaltungen.

Während der Revolution 1848–1849 fanden in und um Orzydorf keine Kämpfe statt, doch wurden die Bewohner besonders bei der Belagerung von Temeswar zu Vorspannleistungen und anderen Arbeiten herangezogen. Am Freiheitskriege haben einige Orzydorfer als Honvéds teilgenommen. Die Befreiung von den grundherrschaftlichen Lasten wurden auch bei uns mit großer Begeisterung aufgenommen.

Die Schwabenpetitionen sind von keinem Vertreter aus Orzydorf unterschrieben. Allerdings haben der damalige Richter und zwei Geschworene mit Vertretern aus 26 anderen Gemeinden des Banats die “Vollmacht für Pfarrer Joseph von Novak” unterfertigt, welcher ihre Bitten heim Kaiserhof vortragen sollte.

1869/1870 wurde die Bahnverbindung zwischen Temeswar und Arad hergestellt, der Personenverkehr konnte im April 1871 aufgenommen werden.

Als Kaiser Franz Josef I. 1852 das Banat bereiste, kam er auf der Fahrt von Temeswar nach Arad auch durch Orzydorf, wo die Pferde gewechselt wurden. Der damalige Dorfrichter Johann Klemann spannte prächtige Pferde ein und führte seine Majestät nach Arad. 1873 bewältigte der Kaiser dieselbe Strecke schon mit der Eisenbahn. Der Zug hielt unter anderem auch im festlich geschmückten Orzydorf, wo Pfarrer Nátl eine begeisterte Ansprache hielt. Das Jahr 1863 war auch für die Orzydorfer Bevölkerung ein Notjahr. Von Februar bis in den Herbst hinein herrschte extreme Dürre, auf 85 % der Ackerfläche konnte nichts geerntet werden. Der erste, der den Notleidenden zu Hilfe kam, war Baron Simon Sina, welcher sechs Monate hindurch 50 Bedürftige mit Fleisch, Brot und Salz versorgen ließ.

Die Auswanderung in die Vereinigten Staaten von Amerika begann in Orzydorf etwa 1904. Damals verließ die erste Gruppe von Auswanderern unser Dorf. Der Brief des Orzydorfers Josef Lach, geschrieben 1903 in Winnipeg, Kanada, zeigt allerdings, dass einzelne Personen auch schon etwas früher die große Reise gewagt haben. Insgesamt dürften etwa 500 Orzydorfer nach Amerika ausgewandert sein.

In Orzydorf erhielt die Gemeindeverwaltung in der Nacht zum 26. Juli 1914 den Mobilisierungsbefehl. Die aufgerufenen Jahrgänge rückten anfangs an die Serbienfront ein, später kämpften die meisten an der Italien- und Russlandfront. Ab dem Winter 1914/15 ersetzten kriegsgefangene Russen die fehlenden Arbeitskräfte.

Im 1. Weltkrieg sind 75 Orzydorfer gefallen. Das Kriegerdenkmal wurde 1927 durch Bischof Augustin Pacha eingeweiht.

Unsere Heimatgemeinde war vom 1. Weltkrieg nicht unmittelbar betroffen. 1918 zogen eine Woche lang deutsche Truppen durch Orzydorf, im November waren Einheiten der deutschen Balkan-Armee einquartiert. Da es in manchen Ortschaften zu Raub, Plünderungen ja sogar Mordtaten kam, bildete sich in Orzydorf eine Bürgerwache, die allabendlich Posten aufstellte. Im November 1918 wurde in unserer Gemeinde ein deutsch-schwäbischer Volksrat gewählt. Am 19. November zog eine serbische Besatzungstruppe in Orzydorf ein und blieb bis Juli 1919. Im Dezember 1918 war auch eine französische Besatzungstruppe hier einquartiert.

Im Oktober 1919 wurde das ungarische Geld abgestempelt und im September 1920 in Lei umgetauscht.

Im Jahre 1921 wurde vom rumänischen Staat eine Agrarreform angeordnet. Da es auf Orzydorfer Hotter keine Großgrundbesitzer gab, betraf dieses Gesetz hier niemand. Wohl aber verloren Orzydorfer Grundbesitzer ziemlich viel Feld in den angrenzenden Gemarkungen. Den Orzydorfer Anspruchsberechtigten wurden vom Feger'schen Gutsbesitz in der Schadaner (rum. Jadani) Gemarkung insgesamt rund 330 Joch zugeteilt. Auf Orzydorfer Gemarkung wurden 9 Joch Urbarialfeld enteignet, auf denen 45 Familien, meist Ortsbewohnern, Hausplätze zugewiesen wurden. Es entstand ein neuer Ortsteil, das sogenannte “Klusch”.

Im September 1935 fand in Orzydorf zugleich mit einem Erntedankfest die 150-Jahrfeier der Ansiedlung unserer Gemeinde statt. Aus Anlass dieses Jubiläums ist auch eine 220 Seiten umfassende Ortsmonographie erschienen.

Am l3.Juli 1943 ging vom Orzydorfer Bahnhof ein Transport ab, in welchem sich etwa 110 Männer aus unserem Dorf im Alter zwischen 20 und 35 Jahren befanden.

Orzydorfer Kriegsopfer 1939-1945: insgesamt 82, davon 26 Männer bei der rumänischen Armee. 53 bei der deutschen Wehrmacht (vorwiegend Waffen-SS) gefallen oder vermisst, 1 Mann 1944 bei Luftangriff in Temeswar ums Leben gekommen, 2 Heimkehrer 1947 an der Grenze bei Altbeba erschossen.

Am 15. Januar 1945 wurden alle Orzydorfer Männer im Alter von 17 bis 45 und Frauen von 18 bis 30 Jahren durch Rumänen aus den Nachbargemeinden und durch russisches Militär für den Transport zur Zwangsarbeit zusammengetrieben. Man hielt sich jedoch nicht so genau an das vorgeschriebene Alter, auch zahlreiche weit jüngere oder ältere Personen wurden bedenkenlos mitgenommen. Es durfte nur das Allernötigste an Lebensmitteln und Kleidern eingepackt werden. Nach Angaben eines zuverlässigen Zeitzeugen wurden damals aus Orzydorf 361 Männer und Frauen ausgehoben und verschleppt. Davon sind bei der Zwangsarbeit, auf dem Transport und an den Folgen daheim etwa 70 Personen gestorben. Im Jahre 1945 wurde die Enteignung der Deutschen auch in Orzydorf durchgeführt. Ihre Felder und Häuser samt Inventar gingen ohne Entschädigung in den Besitz des Staates über. Plünderungen waren damals an der Tagesordnung. Da die Orzydorfer in der ganzen Umgebung in fremden Gemarkungen Feld besaßen, erschienen der Reihe nach die Bewohner aus allen umliegenden Gemeinden und führten Wagen und Wirtschaftsgeräte, Pferde und Kühe weg. Das den Deutschen enteignete Feld. wurde an verschiedene “Berechtigte” verteilt. Am Ostersonntag 1945 erschienen die ersten “Kolonisten”. Anfangs waren es Flüchtlinge aus Bessarabien, dann strömten scharenweise Rumänen aus allen Landesteilen herbei, dazu kamen noch die gewesenen Knechte, die sich hier niederlassen wollten.

Im Jahre 1948 wurden die Industrie-, Handels- und Gewerbeunternehmen “nationalisiert”. Auch hier gab es keine Entschädigung.

Im selben Jahr kam auch die Schulreform, wodurch alle Schulen in die Hände des Staates übergingen, Klosterschulen und sonstige konfessionelle Schulen löste man ganz auf. Sämtliche Lehrkräfte wurden “umgeschult”.

1950 wurde in Orzydorf die Kollektivwirtschaft gegründet.

Im Sommer des Jahres 1958 wurden den Deutschen die enteigneten Häuser wieder zurückgegeben, in den schönsten Gebäuden hatten sich allerdings Staats- und Kollektivwirtschaften, Genossenschaften und Gemeindeverwaltung niedergelassen.

Im Jahre 1792 wurden in unserem Dorf 976 Einwohner gezählt, 1848 waren es bereits 2063! Der Höchststand war 1896 mit 3003 Bewohnern zu verzeichnen. Durch Amerika-Auswanderung, Ein- bzw. Zweikindersystem und Kriegsereignisse sank die Zahl der Einwohner wieder auf 2070 Personen im Jahre 1919 und 1996 Einwohner im Jahre 1943. Durch den Zuzug von Rumänen stieg die Bevölkerungszahl nach dem 2. Weltkrieg wieder an, allerdings ist eine Veränderung der Zusammensetzung nach Nationalitäten zu beobachten. Im Jahre 1880 hatten die Deutschen in Orzydorf noch einen Anteil von 97%, heute liegt ihr Anteil bei schätzungsweise 1%, denn es gibt in unserem Dorf bereits weniger als 30 Deutsche!

Im Jahre 1785 zählte Orzydorf 204 Häuser, im Jahre 1859 waren es bereits 450. Heute sind es schätzungsweise 650 Häuser.

Die Gemarkungsgröße hat sich bis Ende des 2. Weltkriegs nur unwesentlich verändert: im Jahre 1785 wurde das neue Dorf mit 6660 Kat. Joch dotiert, 1910 weist die Statistik den Orzydorfer Hotter mit 6556 Joch aus. Dazu kamen allerdings schon damals 1872 Joch die in fremden Gemarkungen bewirtschaftet wurden.

Nach Angaben aus den 1930er Jahren haben die Orzydorfer seit der Ansiedlung ihre Wirtschaftsfläche nahezu verdreifacht und bewirtschafteten etwa 15.000 Joch. Orzydorfer Bauern hatten in den Gemarkungen von elf (!) Gemeinden der Umgebung Feld gepachtet oder gekauft.

Unser Dorf weist keine besonders nennenswerten Bauwerke oder Denkmäler auf. Kirche, Gemeindehaus und Schule sehen ähnlich aus wie überall im Banat, ebenso die Wegkreuze und Heiligenstatuen.

Ein Wahrzeichen der neuen Zeit ist ein weithin sichtbarer, um 1970 beim Bahnhof erbauter Getreidesilo.

In Orzydorf wird eine südwestrheinfränkische Mundart gesprochen; daneben gibt es – besonders im Wortbestand – manche österreichisch-bairische Einflüsse, die aber das vorherrschende Pfälzisch nicht wesentlich beeinflussen konnten.

Bis zum 2. Weltkrieg war Orzydorf eine Bauerngemeinde, deren Einwohner fast alle in der Landwirtschaft tätig waren. Die Orzydorfer Bauern waren allem Neuen sehr aufgeschlossen, sowohl was Mechanisierung als auch verbesserte Wirtschaftsmethoden anbelangt. Im Jahre 1870 kam die erste Göpel-Dreschmaschine ins Dorf. In den 1870er Jahren ging man allmählich zur verbesserten Dreifelderwirtschaft über (Zwischenfrucht z. B. Leguminosen statt Schwarzbrache), die ersten Mehrscharpflüge wurden eingeführt. Es folgte die erste Dampfdreschmaschine im Jahre 1889 und der erste Getreidemähbinder etwa 1895. In jenen Jahren wurde die Handsaat von der Drillsaat abgelöst. Der durch die Mechanisierung verursachte Verlust an Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft sowie Kinderreichtum führten um 1900 zur ersten Auswanderungswelle nach Amerika. Aber nicht nur die Mechanisierung, sondern auch bessere Getreidesorten, neue Kulturen und leistungsfähigere Tierrassen fanden Ende des 19. Jahrhunderts Eingang in Orzydorf. Die Erträge aus der Landwirtschaft stiegen, es machte sich ein gewisser Wohlstand bemerkbar. Damals begannen die Orzydorfer, in den umliegenden nichtdeutschen Dörfern um einen verhältnismäßig billigen Preis viel Feld aufzukaufen oder zu pachten.

In den 1920er Jahren wurden in Orzydorf schon die ersten Traktoren und auch etliche Autos angeschafft. In der Zwischenkriegszeit gab es in Orzydorf einen Dampfpflug, welcher der “Dampfpfluggesellschaft” gehörte. Die Ackerfläche der 63 Mitglieder machte rund 2.400 Joch aus.

Unsere wichtigste Anbaufrucht war der Winterweizen (“die Frucht”). Weizen war bis zum 2. Weltkrieg das wichtigste Zahlungsmittel und die Grundlage der Geldeinkünfte. Weiters wurden noch angebaut: Mais (“Kukuruz”) als Grundlage für die Schweinemast, in geringem Ausmaß auch Sommergerste, Hafer und etwas Roggen, weiters Rotklee und Luzerne, Futterrüben sowie kleine Flächen mit Hanf und Tabak.

Orzydorf war eine Hochburg des Linsenanbaus, ihre Kultur wurde in den 1880er Jahren in unserem Dorf eingeführt. Die trockenen, schlechten Fluren unserer Gemarkung eigneten sich besonders für diese Leguminose, die stets die wertvollste Vorfrucht für den Weizen war. Besonders in der Zwischenkriegszeit verdankten die Orzydorfer dem Linsenanbau hohe Einnahmen und eine wirtschaftliche Blütezeit.

Pferde und Rinder waren die wichtigsten Haustiere, allerdings bildete die Schweinemast in der Zwischenkriegszeit den einkommensstärksten Teil der Viehhaltung. Pferde, Kühe, früher auch die Schweine, wurden im Sommer auf die “Hutweide” getrieben. Es gab auch eine einfache, extensive Schafhaltung.

Die “Hutweide”, ein Gemeinschaftsbesitz, wurde durch die “Hutweidegesellschaft” (“Kompossessorat”) verwaltet.

Bis zum Ende des 2. Weltkriegs bestanden in Orzydorf eine Milchgenossenschaft und einige private Milchsammelstellen. Die Milchprodukte wurden von den “Fratschlerinnen” in der Stadt verkauft.

Schon bald nach der Ansiedlung unseres Dorfes entstand auch eine Weingartenflur, doch wurde Wein nur für den eigenen Gebrauch produziert. Obstbäume standen zumeist in den Weingärten, vereinzelt auch in Hausgärten.

In Orzydorf waren stets alle notwendigen Handwerker zu finden vom Bäcker, Barbier und Drechsler bis zum Zimmermann und Zuckerbäcker. Des weiteren gab es etliche Gemischtwarenhändler und 1943 noch fünf Wirtshäuser.

Mühlen waren in jedem Dorf unentbehrliche Einrichtungen. In Orzydorf bestanden im 19. Jahrhundert vier Getreidemühlen und eine Ölmühle, nach 1900 gab es nur mehr eine Rossmühle, dafür aber zwei Dampfmühlen.

Im Jahre 1911 wurde von der sog. Ortmann-Mühle aus durch das “Orzydorf-Vingaer Elektrizitätswerk” in unserem Dorf das elektrische Licht eingeführt. In der Zwischenkriegszeit unternahmen fortschrittliche Landwirte auch den Versuch, eine Dreschmaschine mit Strom zu betreiben.

Nennenswert ist eine Strohhülsenfabrik, die etwa ab 1900 bis nach dem I. Weltkrieg bestand. Dort wurden aus Roggenstroh Hülsen zum Verpacken von Bierflaschen erzeugt. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum 1. Weltkrieg existierte beim Monosturer Tal ein Ziegelofen.

Für Geldgeschäfte standen den Orzydorfern in der Zeit von 1886 bis 1944 mehrere Banken zur Verfügung, von denen sich zwei Institute am längsten halten konnten, nämlich die “Kreditgenossenschaft der Orzydorfer Gemeinde mbH” bzw. “Orzydorfer Kreditbank A.G.” (1886–1941) und die “Erste Orzidorfer Sparkassa A.G.” (1899–1941).

Zahlreiche Vereine sorgten nicht nur für Geselligkeit, sondern auch für Weiterbildung und sportliche Betätigung der Bevölkerung. Sie wurden spätestens mit Ende des 2. Weltkriegs aufgelöst; allein der Leichenbestattungsverein hatte längeren Bestand. “Männergesangverein” (ab 1870), “Schützenverein” (1880–1900), “Bauernverein” (ab 1892), “Landwirtschaftlicher Verein” (1890er Jahre bis 1. Weltkrieg), “Leichenbestattungsverein” (1895–?), “Katholischer Volksverband” (1908–1918), “Leseverein” (1918–2. Weltkrieg), “Jugendverein” (1919–1924), “Deutsch-katholischer Jugendverein” (ab 1930) mit Sport- und Reitverein, “Fußballverein” (1922–?), “Deutsch-schwäbischer Kulturverband” (ab 1923), “Freiwillige Feuerwehr” (1930–Kriegsende), “Deutsch-katholischer Mädchenkranz” (1930–Kriegsende), “Deutsch-katholischer Frauenverein” (1930–Kriegsende), “Jagdgesellschaft” (? bis 2. Weltkrieg). Nicht unerwähnt soll bleiben, dass in Orzydorf alljährlich ein großes Sportfest abgehalten wurde, bei dem neben Fußballspielen auch Wettkämpfe verschiedener Disziplinen ausgetragen wurden. 1938–43 gab es auch eine Handballmannschaft. Wenn von der “Orzidofer Musich” die Rede ist, ist stets die “Kapelle Unterweger” gemeint. Diese weithin bekannte, 1895 von Fidel Unterweger gegründete Blasmusikkapelle, unternahm etliche Tourneen durch Deutschland und machte einige Schallplattenaufnahmen bei amerikanischen Firmen. Eine weitere sehr gute Kapelle war die “Bleich'sche Musikkapelle”. Nach Ende des 2. Wettkriegs sorgten verschiedene Musikergruppen für Unterhaltung. Besondere Verdienste um das Musikwesen in Orzydorf hat sich Prof. Meinhard Slavik erworben, der sich intensiv um die musikalische Ausbildung der Jugend kümmerte. Etliche beachtliche Erfolge Orzydorfer Chor- und Orchestergruppen auf Landesebene sind auf seine Bemühungen zurückzuführen.

Quellenverzeichnis:

„Geschichte der Gemeinde Orzydorf 1785 – 1935“

„Orzydorf“ Banat (Herausgegeben von der Heimatsortsgemeinschaft Orzydorf) 1983 von Gerturde Adam und Dr. Anton Peter Petri und ca. 70 Mitarbeitern.

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